23. November 2018 - Workshop Implantatkomplettversorgung

Teamevent für den Durchblick in der metallfreien Implantologie.

Exklusivworkshop Implantatkomplettversorgung 2018

Ende Oktober waren Zahnärzte und Zahntechniker zusammen nach Langen in die VITA Akademie geladen worden, um sich gemeinsam auf den neuesten, wissenschaftlichen Stand in der metallfreien Implantologie zu bringen und beim Hands-on im Team zu implantieren und versorgen. Nach einem Rückblick in die Historie der dentalen Materialentwicklung bahnte sich der Leiter des Technischen Service der VITA Zahnfabrik, Dr. Michael J. Tholey, den Weg durch den aktuellen keramischen Materialdschungel, um auf dieser Basis eine individuelle und patientengerechte Entscheidung treffen zu können.

 

Alles über Zirkondioxidrestaurationen

„Wir müssen bei Zirkondioxidgerüsten einen anatomischen Unterbau schaffen“, empfahl Tholey, um das Chippingrisiko auf Implantaten zu reduzieren. Zirkondioxid und Verblendkeramik seien außerdem sehr schlechte Wärmeleiter. Deswegen entstünden hier bei der keramischen Verblendung auch andere Spannungen als bei Metalllegierungen. Tholeys Ratschlag: „Man sollte nicht vor der Glasübergangstemperatur den Ofen aufmachen. Wenn das Material gleichmäßig abkühlt, habe ich deutlich weniger Spannungen.“ Die Kauflächen könnten alternativ auch vollanatomisch aus Zirkondioxid gestaltet und nur noch labial verblendet werden. Generell werde im Seitenzahnbereich immer mehr monolithisches Zirkondioxid verwendet, um Chipping zu verhindern. Allerdings gab Tholey dabei auch die funktionelle Komponente zu bedenken: „Das ist, wie wenn man mit einem Panzer durch den Drive-Through fährt! Der Panzer ist sicher, steif und fest. Da kann mir nichts passieren! Aber Sie werden mir doch Recht geben, dass monolithisches Zirkondioxid funktionell nicht immer die beste Wahl ist. Wir müssen bei jedem einzelnen Patienten individuell entscheiden.“

Biomimetische Hybridkeramik

Gerade für die Implantologie biete ein biomimetisches Material wie die Hybridkeramik VITA ENAMIC deutliche Vorteile. „VITA ENAMIC liegt vom E-Modul her genau zwischen Schmelz und Dentin. Wir haben bei der Hybridkeramik also eine gewisse Kraftabsorption wie bei einem Stoßdämpfer“, beschrieb Tholey den Vorteil dieses Materials auf den starr im Knochen verankerten Implantaten. Mikrorisse in der Keramik würden außerdem an den Grenzflächen zum Polymer gestoppt. Die schmelzähnliche Abrasion sorge zudem nachhaltig für funktionelle Integration. Nicht zu verwechseln sei die einzige Hybridkeramik VITA ENAMIC mit Nanokeramikblöcken, die fälschlicherweise auch als Hybridkeramik bezeichnet würden. Dass es sich hier nur um hochgefüllte Kompositblöcke handele, werde gerade bei der Konditionierung deutlich: „Bei den Kompositen muss sandgestrahlt werden. Dabei sollte nur geringer Druck ausgeübt werden, um keinen Riss zu induzieren. Das Anätzen bei der Hybridkeramik ist deutlich einfacher, sicherer und führt zu besseren Haftwerten.“

Implantatkörper: Zirkondioxid versus Titan

Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Strub, Emeritus der Universität Freiburg, präsentierte den wissenschaftlichen Stand keramischer Implantate und fokussierte dabei die biologischen Gesichtspunkte und die Vorteile für Patient, Zahnarzt und Zahntechniker. Seine Erfahrung aus der Praxis: „Viele Patienten sagen mittlerweile, dass sie kein Metall im Körper haben wollen und entscheiden sich deswegen für Zirkondioxidimplantate.“ Eine Empfehlung zu zweiteiligen keramischen Implantaten könne aus wissenschaftlicher Sicht heute noch nicht gegeben werden. Bei den einteiligen keramischen Implantaten gebe es nur zwei Anbieter, die den klinischen Erfolg über fünf Jahre publiziert hätten. Der Erfolg des ceramic.implant der VITA Zahnfabrik sei dabei mittlerweile sogar schon über sieben Jahre im Rahmen einer multizentrischen Studie an den Universitäten Zürich und Freiburg beobachtet und dokumentiert worden. Zahlreiche Studien bestätigten zudem, dass die Osseointegration von rauen Zirkondioxidoberflächen gleich gut abschneide wie die von rauen Titanoberflächen. Auch bei der Weichgewebsanlagerung gibt es laut Strub keinen Unterschied zwischen Titan- und Zirkondioxidimplantaten. Bei dünner Gingiva könne das Titan allerdings gräulich hindurchschimmern.

Biokompatible Zirkondioxidimplantate

An Zirkondioxidoberflächen käme es weniger zu Entzündungen als an Titan. Die Bakterienanlagerung sei hier generell geringer. Titan spiele zudem bei der Mukositis beziehungsweise Periimplantitis womöglich eine Rolle, so Strub: „Wir finden im Knochen und im Weichgewebe eingelagerte Titanpartikel und -ionen. Man weiß, dass Makrophagen versuchen, diese Titanpartikel zu umschließen und abzubauen, was diesen aber nicht gelingt. Deswegen kommt es zu einer Absonderung der Zytokine TNF-α und Interleukin-1β, welche einen Gewebeabbau provozieren können. Das ist Fakt!“ Bei älteren und multimorbiden Patienten solle man sich deswegen Gedanken machen, ob man diese noch mit Titanimplantaten versorgt, resümierte Strub. Sein generelles Fazit: „Monotype Zirkondioxidimplantate haben sich nach der klinischen Datenlage bewährt!“

Implantation im Team

Im Hands-on konnten Zahnarzt und Zahntechniker an einem Modell zwei ceramic.implant setzen und anschließend eine Restauration aus der Hybridkeramik VITA ENAMIC unter Anleitung von ZTM Axel Appel, Leiter der VITA Akademie Langen, ausarbeiten und mit den lichthärtenden VITA ENAMIC STAINS charakterisieren und glasieren. Damit wurde der wissenschaftlich fundierte theoretische Teil praktisch abgerundet. Die Teilnehmenden erfuhren alles, was man heute über eine metallfreie Implantatversorgung wissen sollte.

Um die Website optimal gestalten und Ihnen an Ihre Interessen angepasste, nutzungsbasierte Informationen zukommen lassen zu können, verwenden wir auch Cookies von Drittanbietern. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Nutzung und Speicherung von Cookies zu. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Website erhalten Sie durch Klick auf Mehr Informationen. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.

weiter