Die implantologische Versorgung bei multiplen Allergien

Warum das vollkeramische Implantat hier die richtige Wahl ist

Dr. Sigmar Schnutenhaus MSc, ZA Cornelia Edelmann

Der klinische Fall

Eine 39-jährige Patientin wurde mit Aufbissbeschwerden im ersten Quadranten in der zahnärztlichen Praxis vorstellig. Anamnestisch berichtete die Patientin von multiplen Allergien auf Penizillin, Pflaster, Pollen, Tierhaare, Hausstaub und Schimmelpilz. Sie klagte in diesem Zusammenhang symptomatisch über Asthma Bronchiale und Heuschnupfen. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich, dass der Zahn 15 frakturiert war. Eine Scherbelastung am palatinalen Höcker hatte zu einer tief subkrestalen Fraktur geführt. Funktionsstörungen im stomatognathen System wurden nicht diagnostiziert. Der Zahn 15 wurde als nicht erhaltungsfähig eingestuft und in der Folge knochenschonend extrahiert.

In einem separaten Termin wurde die Patientin über die verschiedenen Möglichkeiten einer Versorgung der entstandenen Lücke Regio 15 aufgeklärt. Im Rahmen der Beratung kristallisierte sich der Patientenwunsch einer festsitzenden implantologischen Versorgung heraus. Dabei legte der Behandler hinsichtlich der Erkenntnisse bezüglich Hüft- und Knieprothesen aus Metall bei multiplen Allergien Wert auf eine biokompatible Versorgung. Dieser Therapieansatz entsprach dem Wunsch der Patientin nach einer metallfreien Versorgung. Die Hochleistungskeramik Zirkonoxid zeigt in der oralen Implantologie keine Unterschiede in der Osseointegration im Vergleich zu den gängigen Titanimplantaten. Die gingivale Einheilung und die Reaktion des Weichgewebes auf Zirkonoxid wird von Wissenschaftlern und Klinikern im Vergleich zu Titanimplantaten und –aufbauten sogar als besser eingestuft. Für die Versorgung wurde das Keramikimplantat ceramic.implant (vitaclinical, Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen, Deutschland) ausgewählt. Die Implantation erfolgte im Sinne einer Spätimplantation 6 Monate nach der Extraktion.

Insertion ceramic.implant

Endsituation

Fazit

Es ist bereits bekannt, dass eine Titanunverträglichkeit bei intoleranten Patienten in der oralen Implantologie möglich ist. Die Risikokonstellationen bezüglich korrosiven Titanimplanten und einer Unverträglichkeit sind allerdings keineswegs abschließend geklärt und momentaner Forschungsgegenstand. Bisher gibt es hierzu noch keine klinische Evidenz. Einen ersten Anhaltspunkt für den dentalen Implantologen in der Praxis können Forschungsergebnisse aus der endoprothetischen Orthopädie geben. Endoprothesen aus Metall neigten laut einer Studie bei multiplen Allergien zu mehr Komplikationen. Eine zuverlässige und standardisierte Unverträglichkeitsdiagnostik existiert allerdings noch nicht. Hier sind Forschungsarbeit und weitere Studien notwendig, um Praktikern und Patienten prognostisch abschließend Sicherheit zu geben.

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