Sofortimplantation mit einteiligem Zirkondioxidkeramik

Dr. Dr. Benjamin Beger, Dr. Sylvana Seiß, Prof. Dr. Dr. B. Al-Nawas, PD Dr. Dr. Keyvan Sagheb

Zirkondioxidimplantate werden zunehmend in den klinisch-implantologischen Alltag integriert. Aktuelle klinische 5-Jahres-Studien mit einem einteiligen Zirkondioxidimplantat zeigen ähnlich gute Ergebnisse wie vergleichbare Titanimplantate. Das Indikationsspektrum erweitert sich mit der zunehmenden Datenlage kontinuierlich und wird vor allem von Patienten mit Wunsch nach metallfreier Versorgung gerne angenommen. Dieser Case Report berichtet von der implantologischen Sofortversorgung mit einem einteiligen Zirkondioxidimplantat bei einer jungen Patientin mit Nichtanlage Zahn 35 und persistierendem Milchzahn 65.

Der klinische Fall

Eine 23-jährige Patientin wurde bei uns vorstellig mit einem persistierenden Milchzahn in regio 75 und fehlender Zahnanlage 35 (Bild 1, Bild 2, Bild 3). Die anamnestisch sonst gesunde Patientin zeigte nebenbefundlich, in der durch uns angefertigten Panoramaschichtaufnahme, teilretinierte Weisheitszähne in den Regiones 18-48 (Bild 3 a). Nach der Aufklärung über das weitere Vorgehen wurde die Patientin zur Extraktion Zahn 75 mit Sofortimplantation eines vitaclinical® Zirkonoxidimplantates (4.0 x 12 mm) sowie zur Osteotomie alles Sapientes geplant (Bild 3 a - c).

Die Planungsphase

Insertion ceramic.implant

Die Operation wurde in lokaler Betäubung unter Verwendung von Ultracain 4% durchgeführt. Nach Osteotomie der Weisheitszähne erfolgte im Anschluss die schonende Extraktion des bereits gelockerten Zahnes 75 (Bild 4). Unter Verwendung einer orientierenden Bohrschablone wurde die sofortige Implantation durchgeführt (Bild 5 und 6). Bei der Implantatinsertion konnte eine Primärstabilität von 35nm erreicht werden. Zur Heilungsunterstützung wurde die Alveole seitlich des Implantates mit zwei platelet-rich-fibrin Membranen (a-PRF) aufgefüllt (Bild 7 und 8). Die postoperative Röntgenkontrolle zeigte eine gute Implantatposition (Bild 9). Das Implantat wurde zur transginigvalen Einheilung mit einem individuellen Gingivaformer aus Kunststoff versorgt, welches mit einem temporären provisorischen Zement befestigt werden konnte (Bild 8). Als Nahtmaterial wurde Ethilon 5-0 verwendet. Das erste Follow Up nach 1 Woche zeigte eine stabile Wundsituation, sodass das Nahtmaterial entfernt werden konnte (Bild 10 a und b). Nach 4 Wochen zeigte sich klinisch eine stabile Weichgewebesituation (Bild 11).

Die provisorische Phase

Prothetische Versorgung

Nach 3 Monaten konnte das stabil osseointegrierte Implantat bei gut ausgeformtem Weichgewebe prothetisch versorgt werden (Bild 12 - 14). Zur Abformung wurden die jeweils passenden Abformpfosten eingebracht und die Implantate mittels geschlossenem Löffel (Pick-Up Technik) abgeformt. Nach Modellherstellung wurden diese eingescannt und die Implantatkrone mittels CAD/CAM Technik designt und gefertigt. Alle Kronen wurden aus dem Material VITA ENAMIC® (VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen) hergestellt, welches vom Implantathersteller als Material der Wahl empfohlen wird. Hierbei handelt es sich um eine dentale Hybridkeramik mit dualer Keramik-Polymer-Netzwerkstruktur, welche mit hohen Kaukräfte belastbar ist und diese gleichzeitig absorbiert.

Fazit

Die sofortige Implantation nach Zahnverlust bietet bei Erfolg viele Vorteile für den Patienten: Das Risiko des Verlustes der vestibulären Knochenlamelle sowie ein Rückgang der keratinisierten Gingiva kann hierdurch deutlich reduziert werden (10). Dieser Case Report zeigt dass auch unter Verwendung eines Zirkonoxidimplantates eine ausreichende Primärstabilität erzielt werden kann. Die Entscheidung zur Sofortimplantation mit einem Zirkonimplantat konnte getroffen werden, da ein ausreichendes knöchernes Lager sowie eine ideale Weichgewebesituation vorlagen. Offiziell kann die Sofortimplantation von der Firma VITA, aufgrund der eingeschränkten Datenlage, noch nicht empfohlen werden. Weitere Einschränkungen bei Zirkonoxidimplantaten sollten außerdem beachtet werden: Aufgrund der Einteiligkeit ist eine hohe chirurgische Präzision in der Ausrichtung des Implantates notwendig, um später eine gute prothetische Versorgung zu ermöglichen. Gleichzeitig erfordert die Prothetik ein hohes Maß an Erfahrung im Umgang mit dem Implantat. Hierin spielt nicht nur erneut die Ausrichtung sondern auch die recht filigrane Ankopplung zur Befestigung der Krone eine entscheidende Rolle. Die Verwendung einteiliger Implantate erfordert daher eine sehr korrekte Planung und sollte nur von erfahrenen Implantologen durchgeführt werden.

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